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Ländliche USA

Ländliche USA: Do’s & Dont’s in Hillbilly-Country

Im Herzen der USA ticken die Uhren etwas anders als an den kosmopolitischeren Küsten. Umso wichtiger, dass man sich als Europäer dort an geschriebene und ungeschriebene Regeln hält.
Pickups, Patriotismus und persönliche Freiheit – all das wird in den ländlichen USA sehr groß geschrieben. Wer sich daran hält, findet ein unvergleichliches Lebensgefühl.

Praktisch jeder Europäer hat seine US-Klischees im Hinterkopf, meist befeuert durch die Erzeugnisse der Hollywood’schen Filmindustrie. Die Bewohner des amerikanischen Herzlandes, insbesondere des Südens, kommen dabei nicht sonderlich gut weg. Ihre Lebensweise wird als rückständig angesehen – selbst so mancher eingefleischte US-Reisende käme nie auf die Idee, statt seines Trips an Ost- oder Westküste einen in die zentralen Staaten zu buchen. Dabei zeigt schon unser Westküsten-Reisebericht, der auch in Arizona und Utah die typischen Dörfer sah, dass man sich mit einer solchen Denkweise einen großen und schönen Teil uramerikanischster Kultur vorenthält. Der folgende Artikel zeigt deshalb, was es unter Hillbillies und Rednecks zu beachten gilt – und warum man nicht jedes TV-Klischee glauben sollte.

Don’t: Namedropping betreiben

Die eingangs genannten Bezeichnungen werden meist in negativer Konnotation verwendet. Dabei muss man allerdings zwischen Eigentitulierung und solcher durch Außenstehende unterscheiden – und auch lokale Eigenheiten beachten:

Das bedeutet also, dass man diese Begriffe nicht vermischen sollte. Zudem sollte auch beachtet werden, dass vor allem die ersten beiden Begriffe auch als (stolze) Eigenbezeichnung Verwendung finden – ein waschechter Großstadt-New-Yorker mag „Redneck“ abfällig im Munde führen, während ein Südstaatler wohl eher „proud to be a Redneck“ ist.

Um als Europäer in kein Fettnäpfchen zu treten, sollte man die Begriffe am besten gar nicht verwenden, sondern sich an die (halb-) offiziellen Einwohnerbezeichnungen der jeweiligen Staaten halten.

Do: Vorsorge treffen

Die USA sind ein Erstweltland und als solches muss man eigentlich keine besonderen Vorkehrungen treffen, wenn man in die ländlichen Gebiete reist. Allerdings gehört zu den notwendigen Reisevorbereitungen durchaus, sich auf Hepatitis A & B impfen zu lassen. Zudem sollten Reisende prüfen lassen, ob sie auf typische Insektengifte allergisch sind – schlicht weil in den ländlichen USA die Distanzen zum nächsten Krankenhaus meist ungleich größer als hierzulande sind und bei einem sogenannten anaphylaktischen Schock jede Sekunde zählt.

Daneben sollte man auch die eigene Wetterfühligkeit checken. Denn in vielen ländlichen Teilen der US sind die Sommer sehr heiß. In weit von den Küsten entfernten Staaten, liegt das am Kontinentalklima – heiße Sommer, kalte Winter. Und je weiter man sich in Richtung Südosten bewegt, desto tropischer werden die Sommer. Wer Hitze in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit nicht verträgt, sollte die Monate zwischen Ende Mai und Anfang September meiden – selbst die Einheimischen verbringen diese Zeit eher in klimatisierten Räumen.

Don’t: Den Oberlehrer herauskehren

Klischees im Kopf zu haben, ist eine Sache. Eine ganz andere ist es jedoch, diese auch zum Ausdruck zu bringen. In Hillbilly-Country drückt sich das in einigen wenigen Punkten aus:

  • Politisch konservative bis rechte Einstellungen
  • Hohe Zahlen an Waffenbesitzern im Vergleich zur Gesamtbevölkerung
  • Tiefreligiöse, christliche Ansichten

Ganz wertneutral sind dies Tatsachen, die zwischen Wyoming und South Carolina für praktisch jedes Örtchen zutreffen. Falsch wäre es hingegen, zu versuchen, im Gespräch diese Themen aus europäischer Sicht zu betrachten und Belehrungsversuche zu starten. Zunächst, weil dies schlicht und ergreifend unhöflich wäre. Daneben aber auch, weil es fruchtlose Diskussionen wären, denn obgleich man Rednecks und Co. gerne mangelndes Weltwissen andichtet, sind diese Menschen in der Regel sehr wohl über die Probleme der Welt informiert – sie haben bloß eine andere Sicht darauf. Und zu dieser Sicht gehört auch der tiefverwurzelte Glaube, sich, seine Familie und seinen Besitz mit Waffengewalt verteidigen zu dürfen – und in Gegenden, wo die nächste Polizeistation eine halbe Stunde Fahrtzeit entfernt liegt, macht es, ebenfalls wertneutral, auch Sinn, zumindest eine Schrotflinte im Haus zu haben.

Obendrein würde man sich, wenn man in diese Örtchen fährt, nur um den Einwohnern seine Sicht auf Konservativismus, Waffenbesitz und Religion aufzudrücken, um einen großen Teil der Erfahrung bringen, denn:

Do: Sich auf die Menschen einlassen

Ganz grundsätzlich sind die meisten ländlichen US-Bewohner zwar konservativ, aber unglaublich freundlich, sobald sie erst einmal ihre Scheu abgelegt haben. Wer ihnen offen und auf Augenhöhe begegnet und nicht als erstes an ihren grundlegenden Werten herumkritisiert, lernt einen äußerst gastfreundlichen Menschenschlag kennen, der keine Probleme damit hat, Menschen, die für ihn noch vor wenigen Stunden total fremd waren, in sein Haus einzuladen und zu bewirten – ein Verhalten, das sich mit dem US-Begriff „Southern Hospitality“ nur teilweise beschreiben lässt.

Viele US-Reiseführer raten davon ab, sich auf Diskussionen bezüglich Politik oder Religion einzulassen. Doch eigentlich stimmt das nur teilweise. Denn obgleich man dabei nicht den Oberlehrer herauskehren sollte, ist es für das eigene Weltbild vielleicht nicht falsch, sich die Argumente dieser Menschen anzuhören – statt mit tausenden Kilometern Atlantik und einem massenmedialen Filter dazwischen.

Auf dem Land sind Pickup-Trucks die meistverkauften Autos. Wer einen mietet, versteht auch schnell warum: Die Dinger sind unglaublich praktisch.

Don’t: Mit vollem Koffer anreisen

Städte und Staaten der US-Küsten sind von den Lebenshaltungskosten teilweise teurer als Deutschland. Für die ländlichen Staaten gilt dies aber selbst in Zeiten eines angeglichenen Euro in Dollar-Kurses nicht. Denn dort ist praktisch alles, was man benötigt, billiger als hierzulande. Das beginnt bei Kleidung und endet beim Mietwagen.

Teilweise liegt das an den US-Mehrwertsteuern, deren Festlegung Sache der Einzelstaaten ist und die höchstens bei 8,5% liegen. Zum anderen Teil liegt es aber auch an reduzierten Warenkosten. Zwar wird man in einem typisch-ländlichen Wal-Mart keine Designerwaren antreffen, dafür aber Markenware für den Hausgebrauch. Wer darauf steht, sollte nicht zu viele Dinge aus der Heimat mitbringen, sondern sich lokal eindecken. Keine Sorge bei der Rückreise: Pro Kopf darf man Waren des persönlichen Gebrauchs im Wert von 430 Euro nach Deutschland einführen – wo eine Levis-Jeans zirka 20 Dollar kostet, kann sich das für Shoppingfreunde richtig lohnen.

Do: Einheimischen-Look tragen

Ein berühmter Country-Song enthält die Zeile „...leather boots are still in style for manly footwear“ – und selbst wenn man es nicht so mit Cowboystiefeln und Co hat, sollte man sich dennoch wie die Einheimischen kleiden. Denn die ländliche US-Mode hat weniger folkloristische denn praktische Ursachen:

  • Die hohen Stiefel schützen vor Schlangenbissen – und Giftschlangen gibt es (abgesehen von Alaska) in praktisch jedem US-Staat.
  • Die lange Jeanshose hält die teilweise sengende Sonne fern und schützt in der Natur vor dornigen Begegnungen.
  • Caps & Cowboyhüte tragen ihren Teil dazu bei, dass man sich als ungewöhnter Europäer keinen Sonnenstich einfängt.

Daneben hat dieser rustikale Look aber auch noch einen weiteren Vorteil. Denn wer sich mit Boots, Jeans und Truckercap in ein Diner setzt, wirkt zumindest äußerlich nicht wie ein typischer Tourist. Kommt man dann mit Einheimischen ins Gespräch, kann der Versuch, sich optisch anzupassen, nicht nur ein großer Eisbrecher sein, sondern auch als positive Wertschätzung für die ländliche Kultur angesehen werden.

Don’t: Aus dem Auto aussteigen

Wer jemals den legendären New Yorker Verkehr kennenlernte, weiß, dass man in diesem Teil der USA am besten zu Fuß weiterkommt. In den ländlichen Staaten sollte man diese Regel schnell wieder vergessen. Um es kurz zu machen, wer hier aus dem Wagen aussteigt, um Bankgeschäfte zu erledigen oder auch nur Zigaretten zu kaufen, zeigt trotz perfektem „Redneck-Outfit“, dass er ein absoluter Tourist ist.

Zum Verständnis, Drive-Ins und Drive-Throus wurden in den USA erfunden. Und in den Jahrzehnten seit ihrer Erfindung hat sich der Gedanke, vom Auto aus einzukaufen, auf alle möglichen Erledigungen des täglichen Lebens ausgebreitet. Abgesehen vom Wocheneinkauf gibt es in den ländlichen USA praktisch nichts, was man nicht vom Auto aus kaufen kann – manche Geschäfte sind gar nicht mehr darauf eingerichtet, Kunden im Laden zu haben, sondern verkaufen nur vom Fenster aus. Natürlich hat das (hier stimmt das Klischee) viel mit Bequemlichkeit zu tun. Allerdings lässt sich nicht von der Hand weisen, dass ein Geldautomat, den man vom Autofenster aus bedienen kann, einfach rundweg praktischer ist, als einen Parkplatz zu finden, auszusteigen und dann in südstaatlicher Hitze seine Dollars zu ziehen – in Zeiten, in denen selbst große deutsche Medien die Eröffnung des ersten deutschen Drive-In-Geldautomaten vermelden, als hätte man eine Möglichkeit gefunden, Motoren mit Wasser zu betreiben.

Do: Ein bequemes Auto mieten

Auf dem Land sind die Distanzen für deutsche Verhältnisse unglaublich weit – das Klischee von den „weiten USA“ kommt nicht von Ungefähr. Umso empfehlenswerter ist es, bei der Wahl eines Mietwagens diese Tatsache zu berücksichtigen.

Denn ob nun in irgendeinem Dörfchen in Iowa oder größeren Städten der Südstaaten, um von A nach B zu kommen, wird man immer einige Meilen hinter dem Steuer verbringen. Wenn dieses Steuer in einem Kleinwagen montiert ist, wird der Trip ziemlich beschwerlich werden. Weil zudem auch Platz- und Parkplatzprobleme in diesen Staaten praktisch nicht existent sind, empfiehlt es sich, auf maximalen Platz und Bequemlichkeit zu setzen. Bei den niedrigen US-Kraftstoffpreisen tut das dem Reisebudget nicht weh und man bekommt neben dem Komfort so auch einen kleinen privaten Einblick, warum Rednecks ihre großen Pickup-Trucks so sehr lieben.

Fazit

Klischee und Realität liegen in den ländlichen USA so dicht oder entfernt voneinander wie an praktisch jedem anderen Ort der Welt. Wichtig ist nur, dass man sich von diesen Klischees nicht zu sehr vereinnahmen lässt. Ein Trip raus aufs Land zeigt einem nämlich nicht nur einen sehr ursprünglichen Teil Nordamerikas, sondern ist auch eine Erfahrung, die so manche Hürde abzubauen hilft, die erst durch allzu übertriebene Klischees geschaffen wurde.

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Bernd Krammer von USA Reisetipps

★★★★★ von
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